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Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel

Eine Anzeige in der Zeitschrift „medien + erziehung“ führt mich zu „TUMULT – Schriften zur Verkehrswissenschaft“ mit dem aktuellen Titelthema „Baudrillard fassen“.

TUMULT wird herausgegeben von Hanns Zischler in seinem Alpheus-Verlag, erscheint jährlich und behandelt interessante Themen: „Der hinreiszende Klang des Amerikanischen“ oder „Gesichtermoden“. Oder jetzt eben Baudrillard. Erst vorletzte Woche hatten wir „Cool Memories“ wieder aus dem Regal geholt und darin gestöbert. Und TUMULT scheint mir so stöberfähig zu sein, wie der MAMMUT aus dem März-Verlag, den ich seit einigen Wochen wieder durchstreife und auch so gehaltvoll wie die „Scheidewege – Jahresschrift für skeptisches Denken„, deren Jahrgang 1998/99 ich kürzlich wieder aus dem Regal genommen habe, weil ich Jürgen Dahl und Christian Schütze („Frieden durch Faulheit„) wieder lesen wollte. Hier der Klappentext zu TUMULT 34, wie ihn Amazon zitiert:

Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel.Verglichen mit den endlosen Himmeln Nordamerikas und ihren Wolkenballungen sind unsere kleinen Schäfchenhimmel und Schäfchenwölkchen Abbilder unserer Schäfchengedanken, unserer niemals raumgreifenden Gedanken“ (Amerika, 28). / Baudrillard unter anderen Himmeln sehen: in China, Brasilien, USA mit anders raumgreifenden Gedanken, und aus einem Außerhalb seiner Lebenszeit. Aber auch: Baudrillard »am Himmel des Unaktuellen« (Cool Memories I, 99) in Europa sehen, wo er sich als die von ihm erträumte »radikale Objektivität« abzuzeichnen beginnt, die sich nicht mehr der wissenschaftlichen Erfassung erschließt, dafür den Blick auf die »Ironie des Weltprozesses« öffnet ein zu großer Versuch? // Von feinsinnigen Kennern der Verkehrswissenschaften, der Philosophie, der Künste und des Genusses seit Jahrzehnten verehrt und bewundert, war TUMULT auf eine wechselvolle Reise durch die Hände zahlreicher Verlage gegangen und dabei vor den Augen seiner Liebhaber immer wieder verschwunden, wie ein märchenhaftes Gerücht. / Seit 2006 erscheint TUMULT regelmäßig im Alpheus Verlag des Berliner Schauspielers, Schriftstellers und Gelehrenfreundes Hanns Zischler. / Alle Ausgaben sind reich illustriert und von herausragenden Grafikern individuell gestaltet. Die trotz modernster Technik teils kunsthandwerkliche Fertigung verleiht den Heften zudem eine einzigartige Anmutung.

Ich bestelle mir das aktuelle Heft per E-Mail bei meiner Buchhändlerin („think global – buy local“) und freu mich auf die Anregungen (nächste Woche und in zehn Jahren).

Gut gefällt mir auch die entspannte Haltung des Alpheus-Verlags, zwar Anzeigen für das neue Heft zu schalten und es bei Amazon zum Vertrieb einzustellen, aber den neuen Titel, der 2009 erschienen ist mit keinem Wort oder Bild auf der Verlagswebsite zu erwähnen. Und ich meine das nicht ironisch.

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Mascha Kaléko: Sozusagen grundlos vergnügt

Endlich wieder ein schönes Gedicht zum auswendig lernen. Danke an S.

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Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
– Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen,
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht,
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn,
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– Weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben,
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Ich freue mich, dass ich… Dass ich mich freu.

von Mascha Kaléko.

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