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„SOUL KITCHEN“ – La Paloma, Kochen und die Liebe zum Leben

Letzten Freitag war ich auf der Vorpremiere von SOUL KITCHEN im Rex Kino Darmstadt. Oh, es war wunderbar, volles Kino, begeistertes Publikum und viele La Paloma-Versionen im Soundtrack. Natürlich auch sonst wieder richtig gute Musik (die bei Fatih Akin, wie bei seinem Bruder im Geiste Emir Kusturica, immer eine besonderes Highlight der Filme ist).
Danach kamen Regisseur und Produzent Fatih Akin und sein Hauptdarsteller Adam Bousdoukos ins Kino und haben Fragen  zum Film beantwortet und von den Dreharbeiten erzählt. Andreas Heidenreich vom Weiterstädter Filmfest hat das Gespräch moderiert.

Die Story (von der Website zum Film):
Kneipenbesitzer Zinos ist vom Pech verfolgt: erst zieht seine Freundin Nadine für einen neuen Job nach Shanghai, dann erleidet er einen Bandscheibenvorfall. Als er in seiner Not den exzentrischen Spitzenkoch Shayn engagiert, bleiben auf einmal auch noch die ohnehin schon wenigen Stammgäste aus. Und als wäre das nicht schon genug, taucht auch noch sein leicht krimineller Bruder Illias auf und bittet ihn um Hilfe. Während Zinos noch überlegt, wie er den Laden los wird, um Nadine nach China folgen zu können, locken Musik und die ausgefallene Speisekarte immer mehr Szenepublikum an. Das ,,Soul Kitchen“ rockt und boomt wie nie zuvor. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

SOUL KITCHEN ist ein Heimatfilm der neuen Art: Die Welt ist nicht mehr so heil und das Dorf ist ein Restaurant, der Regisseur heißt Fatih Akin und vor der Kamera versammelt er ein ,Best Of‘ aus seinen früheren Filmen – Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu und Birol Ünel. Es geht um Familie und Freunde, um Liebe, Vertrauen und Loyalität – und um den Kampf für die Heimat als einen Ort, den es in einer zunehmend unberechenbaren Welt zu schützen gilt.

Adam Bousdoukos war mit Spiegel-Online noch einmal an den Drehorten von SOUL KITCHEN und sagt in einem Video auf Spiegel-Online über den Film:

Heimat, was ist Heimat? Meine Heimat ist Hamburg. … Es ist ein Liebesfilm, aus mehreren Gründen, nicht nur, weil er einer Frau hinterher fährt aus Liebe, bis nach Shanghai, es ist ein Liebesfilm, weil er seinen Laden liebt, er lernt seinen Laden zu lieben, was er vorher nicht getan hat, er lernt seine Leute zu lieben, seinen Bruder zu lieben, und das Leben zu lieben, seine Heimat zu lieben, seinen Ort zu lieben, seinen Platz in dieser Welt, also dieser ganze Film ist ein Liebesfilm.

SOUL KITCHEN ist ein wunderbarer, witziger und herzerwärmender Film (epd-Film hat ihn mit FÜNF Sterne bewertet, die hat dort schon lange kein Film mehr bekommen). SOUL KITCHEN läuft ab 25.12.2009  in den Helia-Kinos in Darmstadt. Hier noch mal der Trailer:

Und weil der Film vom Kochen handelt, hier dazu noch ein Auszug aus der Filmkritik in epd-Film:
Und wenngleich das Kochen in
Soul Kitchen vor allem als Sinnbild für Leidenschaftlichkeit und ein brüderliches Miteinander dient, zeigt Akin, dass er sich ernsthaft mit der Thematik auseinandergesetzt hat. So scheint der kompromisslose, von Birol Ünel mit wunderbarer Schnoddrigkeit verkörperte Koch Shayn mit seiner zwischen Freibeuter und Samurai changierenden Attitüde geradewegs von dem realen New Yorker Küchen-Enfant-terrible Anthony Bourdain inspiriert; die Szene, in der Shayn seinen Job verliert, bekommt durch den Drehort, das Hamburger Sternelokal von Ali Güngörmüs, ein besonderes Flair; und Zinos’ Lokal wirkt durch das Lagerhaus-Setting und die Schlichtheit des Interieurs wie der Hamburger Ableger des weltberühmten Kopenhagener Avantgarderestaurants Noma. So kommt die Haute Cuisine nach Wilhelmsburg, und eine der schönsten Szenen zeigt denn auch einen Haufen cooler Kiezmusiker, die sich zunächst über Shayns Kreationen lustig machen, nach dem Überwinden ihrer Berührungsängste jedoch nicht genug davon bekommen können.

Fatih Akin im Spiegel-Gespräch: „Ich hatte Bock zu lachen“. Dort auch Filmauschnitte.

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La Paloma: Ein Schlager als Kampfansage gegen die Nazis

Hit gegen Hitler: „Einmal muss es vorbei sein“. Und: „Dann winkt mir der Großen Freiheit Glück“. Mitten im Bombenhagel nahm Filmlegende Hans Albers Ende 1944 seinen größten Hit auf. „La Paloma“, der Titelsong aus „Große Freiheit Nr. 7“ schockierte NS-Propagandachef Goebbels mit provokanten Textzeilen. Film und Lied wurden verboten – und doch zum Riesenerfolg.

Und ähnlich subversiv geht es weiter:
„Jetzt heißt es auf Gott vertraun.
Seemann gib acht, dann strahlt auch als Gruß des Friedens,
hell in der Nacht das leuchtende Kreuz des Südens.
Schroff ist ein Riff, und schnell geht ein Schiff zugrunde,
früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde.“

In den Kriegsjahren 43/44 von Frieden zu singen und auf Gott statt auf den „Führer“ zu vertrauen war schon ein starkes Stück. Dann auch noch anzufügen, wie schnell ein Schiff zugrunde geht, ein Szenario, von dem Admiral Dönitz mit seiner Flotte im Nordatlantik ebenfalls ein Lied hätte singen können, das war kaum zu überbieten. Es sei denn, man gibt Hans Albers im Jahr des Falls von Stalingrad einen Text zum Einstudieren, in dem es heißt: „Früh oder spät schlägt jedem von uns die Stunde.“ Eine gezielte Provokation.
Zum Artikel von Rüdiger Bloemeke bei Spiegel-Online.

Ich liebe „La Paloma“ seit ich vor etwa 13 Jahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls bei einem chinesischen Arzt in Behandlung war, der während der Behandlung immer diese  Melodie pfiff. Irgendwann habe ich ihm eine Kassette mit verschiedenen La Paloma-Versionen aufgenommen und die haben wir dann immer gehört. Es gibt bei Trikont schon sechs CDs mit den unterschiedlichsten Versionen von „La Paloma“. Herausgegeben hat sie Kalle Laar. Und von Sigrid Faltin gibt es einen Dokumentarfilm: „La Paloma – Sehnsucht. Weltweit.“

Es wird vermutet, dass dies Musikstück, bei dem es sich um eine Habanera handelt, um 1860 herum auf Kuba vom Spanier Sebastián de Iradier y Salaverri komponiert wurde und von dort aus seinen Siegeszug rund um die Welt antrat. So war es angeblich 1967 der letzte Wunsch des mexikanischen Kaisers Maximilian noch einmal „La Paloma“ zu hören. Quelle

Meine Lieblingsversion ist die von Freddy Quinn auf der ersten Trikont-Compilation live gesungene (dort Track 22, wo er am Anfang sagt:  „Herzlichen Dank… Dankeschön, meine Damen und Herren“ und am Ende: „Darf ich mal einen kleinen Moment hier ablegen?“). Matrosen überleben nur durch Ihre Sehnsucht.