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Älter werden und die Angst davor

Heute morgen mit zwei Männern übers „Alt werden“ und die Angst davor geredet (die ich nicht habe). Dazu Peter Simonischek im Gespräch mit Martin Maria Schwarz am 18. Januar 2019 in HR2 Doppelkopf:
“Die Selbstzweifel nehmen mit dem Alter zu. … Die Ansprüche steigen ja mit dem Erfolg. … Es kommt auch darauf an, ob man gut altert. … Man muss ja diesen ganzen fanatischen Jungbleibewahn nicht mitmachen. Suchen Sie mal die alten Leute in den Fußgängerzonen unserer Städte – die betteln vielleicht. Aber sonst ist das doch nicht “in” alt zu sein. … Der Jugendwahn ist gewaltig. Das Alter wird behandelt wie ein Malheur, für das man sich schämt. Das finde ich eine schlechte Sicht auf das Alter. … De Corona senum non spectant, die Krone des Alters ist das Ansehen. … Ab fünfzig hatte man das Recht als edler Greis angeredet zu werden.“

Hier das ganze Gespräch als Podcast (nur gültig, solange der HR es will):
https://www.hr2.de/programm/podcasts/doppelkopf/der-schauspieler-peter-simonischek-erzaehlt-er-von-seiner-schauspielerischen-gegenwart-und-vergangenheit,podcast-episode-40634.html

Ich habe einen Weblog mit dem Zauberwort im Titel:

http://wie-alt-werden.de/

Dann habe ich das noch in meinem Computer gefunden:
Aus einem Geo-Bericht über Korea: „Der alte Mensch, ab 60 Jahren, war der Erhabene in der traditionellen koreanischen Gesellschaftsordnung. Er hatte den selbstverständlichen Anspruch, von seinen Söhnen bis ans Lebensende versorgt zu werden; ihm galt die tiefste Verbeugung, das Beste bei Tische, das schönste Zimmer im Haus und in seiner Gegenwart dürfte kein Jüngerer wagen, zu rauchen, lasch im Sessel zu sitzen, oder – ein Gipfel der Ungehörigkeit, -eine Sonnenbrille zu tragen.“

Und passend zum Thema das Portrait von Agnes Sobotta und ihrer Freundin Julia Wower:

Zwei lachende alte Damen

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David Cooper über Sucht

Sucht bedeutet wesentlich, mit der eigenen Freiheit russisches Roulette zu spielen. Überlebt man das erste Mal, ist es, um das mindeste zu sagen, wichtig, sobald als möglich die Entscheidung zu treffen, den Abzug nicht weiter zu bedienen. … Bei der Sucht entsteht die Veränderung nicht aus der analytischen Einsicht, sondern durch die intentionale Veränderung der eigenen Praxis, der Veränderung seines Lebens im richtigen Kontext. … Manche Drogenabhängigkeiten mögen in der Tat Sicherheitsvorkehrungen sein, die auf ein Bleiben in der Welt gezielt sind oder auf die Aufrechterhaltung eines minimalen Kontakts mit der normalen Welt. Zigaretten (und Alkohol und andere Drogen) können wie Nabelschnüre sein zwischen der normalen Welt und einem Selbst, das sie transzendieren möchte, vor der Freiheit des Überschreitens aber Angst hat. (David Cooper, Von der Notwendigkeit der Freiheit, Frankfurt, 1976,  Stroemfeld Verlag)

S. junior: Ich mache einen entspannten Eindruck

Vorm Weißen Turm mit einem ehemaligen Telekom-Mitarbeiter ins Gespräch gekommen, der Computerkurse für alte Menschen, betreut von jungen Menschen, initiiert hat. S. junior stellt sich dazu und das Gespräch kommt über Tod und Angst der Jungen, wenn der Vater über seine Beerdigung und den Tod vorher nachdenkt auf das Leben, dass man sinnvollerweise entspannt genießen sollte (weil das entspannt). S. macht mir das Kompliment, dass ich auf ihn den Eindruck mache, dass ich das Leben genießen würde. Er erzählt von seiner jetzt 15-jährigen Tochter, die mit vier Jahren einen Gehirntumor hatte und nach Auskunft der Ärzte nicht mehr lange zu leben. Seitdem macht er sich keinen Stress mehr, obwohl er viel zu tun hat.