Archiv der Kategorie: Zitate

„Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto.“

James Simon Kunen „Erdbeermanifest. Dort das Zitat “Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto. Einfach fahren, bewegen, dahinrollen, weggleiten von einem Ort. Nicht so sehr irgendwohin, aber irgendwoweg, sich wegbewegen, schnell fahren, während man bestimmte Songs hört. Mit anderen Wagen auf der Straße sein und sich vorstellen, wer drinsitzt und wohin sie wollen. Parken ist das Gegenteil von alldem. Ich mag einen Wagen nicht parken.”

erdbeermanifestJames Simon Kunen, Erdbeermanifest, Notizen zur Columbia Revolte, März Verlag, Darmstadt 1969

 

Advertisements

Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel

Eine Anzeige in der Zeitschrift „medien + erziehung“ führt mich zu „TUMULT – Schriften zur Verkehrswissenschaft“ mit dem aktuellen Titelthema „Baudrillard fassen“.

TUMULT wird herausgegeben von Hanns Zischler in seinem Alpheus-Verlag, erscheint jährlich und behandelt interessante Themen: „Der hinreiszende Klang des Amerikanischen“ oder „Gesichtermoden“. Oder jetzt eben Baudrillard. Erst vorletzte Woche hatten wir „Cool Memories“ wieder aus dem Regal geholt und darin gestöbert. Und TUMULT scheint mir so stöberfähig zu sein, wie der MAMMUT aus dem März-Verlag, den ich seit einigen Wochen wieder durchstreife und auch so gehaltvoll wie die „Scheidewege – Jahresschrift für skeptisches Denken„, deren Jahrgang 1998/99 ich kürzlich wieder aus dem Regal genommen habe, weil ich Jürgen Dahl und Christian Schütze („Frieden durch Faulheit„) wieder lesen wollte. Hier der Klappentext zu TUMULT 34, wie ihn Amazon zitiert:

Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel.Verglichen mit den endlosen Himmeln Nordamerikas und ihren Wolkenballungen sind unsere kleinen Schäfchenhimmel und Schäfchenwölkchen Abbilder unserer Schäfchengedanken, unserer niemals raumgreifenden Gedanken“ (Amerika, 28). / Baudrillard unter anderen Himmeln sehen: in China, Brasilien, USA mit anders raumgreifenden Gedanken, und aus einem Außerhalb seiner Lebenszeit. Aber auch: Baudrillard »am Himmel des Unaktuellen« (Cool Memories I, 99) in Europa sehen, wo er sich als die von ihm erträumte »radikale Objektivität« abzuzeichnen beginnt, die sich nicht mehr der wissenschaftlichen Erfassung erschließt, dafür den Blick auf die »Ironie des Weltprozesses« öffnet ein zu großer Versuch? // Von feinsinnigen Kennern der Verkehrswissenschaften, der Philosophie, der Künste und des Genusses seit Jahrzehnten verehrt und bewundert, war TUMULT auf eine wechselvolle Reise durch die Hände zahlreicher Verlage gegangen und dabei vor den Augen seiner Liebhaber immer wieder verschwunden, wie ein märchenhaftes Gerücht. / Seit 2006 erscheint TUMULT regelmäßig im Alpheus Verlag des Berliner Schauspielers, Schriftstellers und Gelehrenfreundes Hanns Zischler. / Alle Ausgaben sind reich illustriert und von herausragenden Grafikern individuell gestaltet. Die trotz modernster Technik teils kunsthandwerkliche Fertigung verleiht den Heften zudem eine einzigartige Anmutung.

Ich bestelle mir das aktuelle Heft per E-Mail bei meiner Buchhändlerin („think global – buy local“) und freu mich auf die Anregungen (nächste Woche und in zehn Jahren).

Gut gefällt mir auch die entspannte Haltung des Alpheus-Verlags, zwar Anzeigen für das neue Heft zu schalten und es bei Amazon zum Vertrieb einzustellen, aber den neuen Titel, der 2009 erschienen ist mit keinem Wort oder Bild auf der Verlagswebsite zu erwähnen. Und ich meine das nicht ironisch.

Henning Mankell – Nicht auf eine dumme Art faul sein

Aus einem Interview mit Henning Mankell im ZEIT-Magazin Nr. 12, 18.3.2010:

Aber ich habe auch so eine Art Technik: Ich arbeite immer an zwei Sachen gleichzeitig. Wenn ich mit der einen Probleme bekomme, nehme ich mir einfach die andere vor. Und ich habe noch einen Trick, der ist von Graham Green übernommen. Ich höre abends mitten im Satz auf, dann weiß ich am nächsten Tag zumindest schon mal, wie dieser Satz weitergeht, das erleichtert den Start.


Und ich versuche diszipliniert zu sein in dem, was ich tue. Das heißt nicht, dass ich die ganze Zeit arbeite. Ich versuche nur, nicht auf eine dumme Art faul zu sein.

Buchhändler genießen noch weniger Achtung

Auf  Zeit-Online gerade am Schluss eines Artikels über Medien und Moral diesen Satz gefunden:

Laut Allensbach-Institut sind übrigens Journalisten nur bei elf Prozent der Deutschen hoch angesehen, lediglich Offiziere, Gewerkschaftsführer, Politiker und Buchhändler genießen noch weniger Achtung.

Quelle: Zeit-Online

Und der Blick auf die Quelle bei Allensbach zeigt den „Buchhändler“ an letzter Stelle einer Liste von 17 Berufen.

Die Frage, die das Institut für Demoskopie Allensbach seit 1966 in einem Mehrjahresrhythmus an die Bevölkerung richtet, lautet: „Hier sind einige Berufe aufgeschrieben. Könnten Sie bitte die fünf davon heraussuchen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben?“ Den Befragten wird dabei eine Liste mit siebzehn Berufen vom Arzt über den Pfarrer, den Rechtsanwalt, den Ingenieur, den Politiker, den Studienrat bis zum Gewerkschaftsführer vorgelegt.

Quelle: Die Allensbacher Berufsprestige-Skala 2008

Aber warum die Buchhändler und Buchhändlerinnen? Das versteh ich nicht. Ich schätze und achte meine Buchhändlerin. Haben die Buchhändler schon eine PR-Agentur beauftragt, um das zu ändern? Spannendes Thema.

The beginning of wisdom is to call things by their right names

The beginning of wisdom is to call things by their right names – Chinese proverb. Bei einer meiner Twitter-Follower gefunden (klingt wie Verfolger). So habe ich beim Nachschlagen gelernt, was „Sprichwort“ auch auf englisch heisst, ausser „adage“, „saing“, „saw“ und „byword“ (Danke Deutsch-Englisch-Wörterbuch). Eine schöne Übersetzung für das ganze Sprichwort werde ich mir einfallen lassen oder gelegentlich bei Google danach suchen. Und ich würde mich sehr freuen, bald den ersten Hundebesitzer zu treffen, der seinen Hund „Google“ nennt und rufen kann: „Such, Google, such“, wenn er den Stock geworfen hat.

David Cooper über Sucht

Sucht bedeutet wesentlich, mit der eigenen Freiheit russisches Roulette zu spielen. Überlebt man das erste Mal, ist es, um das mindeste zu sagen, wichtig, sobald als möglich die Entscheidung zu treffen, den Abzug nicht weiter zu bedienen. … Bei der Sucht entsteht die Veränderung nicht aus der analytischen Einsicht, sondern durch die intentionale Veränderung der eigenen Praxis, der Veränderung seines Lebens im richtigen Kontext. … Manche Drogenabhängigkeiten mögen in der Tat Sicherheitsvorkehrungen sein, die auf ein Bleiben in der Welt gezielt sind oder auf die Aufrechterhaltung eines minimalen Kontakts mit der normalen Welt. Zigaretten (und Alkohol und andere Drogen) können wie Nabelschnüre sein zwischen der normalen Welt und einem Selbst, das sie transzendieren möchte, vor der Freiheit des Überschreitens aber Angst hat. (David Cooper, Von der Notwendigkeit der Freiheit, Frankfurt, 1976,  Stroemfeld Verlag)

Fliegen merken sich Ereignisse, die sie tatsächlich nie erlebt haben

Solche Sätze liebe ich: Fliegen merken sich Ereignisse, die sie tatsächlich nie erlebt haben. Gerade nachdem ich auf Anraten von Timothy Ferriss („Die 4-Stunden-Woche“) mit dem Konsumieren von Zeitungen und Nachrichten fast völlig aufgehört habe und nur noch ganz selten mir zum Frühstück eine Zeitung vom Nachbarn von der Treppe ausleihe, um sie zu überfliegen, sind es solche Splitter, die mich freuen. Das Zitat ist die zweite Überschrift eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung vom 16.10.2009 (S. 18), den ich dann gar nicht gelesen habe, weil mir die Freude über diesen schönen Satz gereicht hat.