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Die 1-Million-£-Verbrennung

Interessante und merkwürdige Aktion und dazu intelligente Protagonisten: 1 Million Pfund zu verbrennen. Hier ein Artikel aus der Frankfurter Rundschau vom März 1998 und dazwischen Interviews mit den beiden Verbrennern Bill Drummond und Jimmy Cauty. Drummond und Cauty waren die Begründer der Band KLF. KLF (Kopyright Liberation FrontKings of Low Frequency) war eine in der elektronischen Tanzmusik einflussreiche britische Musikgruppe in den späten 1980ern und frühen 1990ern. Quelle: Wikipedia Rote Hervorhebungen von mir.

Ein Autodafe‘ des Geldes in Schottland (Frankfurter Rundschau am 14. 03. 98, Autor: Uwe Schütte, hier gefunden)

Ist es bereits ein künstlerischer Akt, wenn man genau das Gegenteil dessen tut, was wir alle die ganze Zeit versuchen, nämlich soviel Geld wie möglich anzuhäufen? Bill Drummond und Jimmy Cauty verstehen sich als Künstler, obwohl die meisten Engländer sie eher für Verrückte oder zumindest für Exzentriker halten. Zugegebenerweise muss man nicht unbedingt ein um finanzielle Sicherheit besorgtes Mitglied der middle class sein, um das Verbrennen von einer Million Pfund Sterling (also immerhin rund 3 Millionen Mark) für verrückt zu halten. Dass Drummond und Cauty dieses Geld nicht durch sogenannte harte Arbeit, sondern mit ein paar Disco-Platten verdient hatten, die sie mit großem Hitparadenerfolg Anfang der neunziger Jahre unter dem Namen KLF veröffentlichten, vermag die Einäscherung nur unzureichend zu entschuldigen.

Für ihre Neigung zu Aktionen irgendwo zwischen Anarchie und Clownerie sind Drummond und Cauty in England hinreichend bekannt. Als KLF 1992 von der britischen Musikindustrie zur ,,Besten Band des Jahres“ gekürt wurden, dankten sie dafür, indem sie das Publikum der Preisfeier aus Maschinengewehren mit Platzpatronen beschossen. Kurz darauf ließen die beiden ihre Platten aus dem Handel ziehen und gaben die Gründung der Kart Foundation bekannt. Auf ganzseitigen Zeitungsanzeigen teilten sie die Absicht mit, einen Preis für den schlechtesten Künstler Großbritanniens anzusetzen. Als dann 1993 der angesehene Turner Prize an Rachel Whiteread verliehen wurde, erhielt sie prompt auch die „Auszeichnung“ der K Foundation zugesprochen. Diese war mit einem Preisgeld von 40000 Pfund allerdings doppelt so hoch dotiert wie der Turner Prize.

Als Drummond und Cauty einige Monate später ankündigten, dass sie ihr Gesamtvermögen von einer Million Pfund verbrennen wollten, schenkte ihnen kaum jemand Glauben. Nur ein Assistent und ein befreundeter Künstler mit einer Videokamera waren dabei, als Drummond/ Cauty in den frühen Morgenstunden des 23. August 1994 ihr Geld auf der schottischen Insel Jum dem Feuer übergaben. Der dabei entstandene Dokumentarfilm Watch the K Foundation Burn a Million Quid wurde ein Jahr später im Gemeindesaal Juras gezeigt und tourte mehrere Monate durch England. Die Vorführungen, in Anwesenheit von Drummond/Cauty, provozierten sowohl Ausbrüche von Gewalttätigkeiten als auch großer Langeweile angesichts des monotonen, über eine Stunde dauernden In-die-Flammen-Schaufelns der Banknoten.

Ein im Londoner Ellipsis Verlag erschienener Band hat nun in Großbritannien für ein Wiederaufflammen der scharfen Kontroversen um das so spektakuläre wie kryptische auto-dafé gesorgt. Das Buch verbindet Standbilder aus dem Film mit spontanen Reaktionen aus den Diskussionen, die nach den Vorführungen mit Drummond/Cauty stattfanden. Außerdem sind Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Briefe an die K Foundation und Stellungnahmen darin abgedruckt.

Diese zumeist kurzen Textstücke fügen sich mosaikartig zu einem komplexen Bild, das interessantere Einblicke in die tieferen Bedeutungsschichten der Vernichtungstat ermöglicht, als Erklärungen von Unzurechnungsfähigkeit in der Boulevardpresse oder Plattitüden über kulturelle Subversivität seitens saturierter Berufskritiker im Spätprogramm der BBC. Drummond und Cauty waren vom niedrigen Niveau der öffentlichen Diskussionen so enttäuscht, dass sie Ende 1995 ankündigten, die Existenz der K Foundation für genau 23 Jahre zu suspendieren. Über ihren finanziellen Suizid wollen sie sich während dieses Zeitraums jeden Kommentars enthalten. Zur Besiegelung des Pakts beschrifteten sie einen Gebrauchtwagen mit ihrer Absichtserklärung und stießen ihn am 5.11.1995 über den Rand einer 200 Meter tiefen Schlucht bei Cape Wrath, Schottland.

Drummond und Cauty, so lautet eines der überraschenden Ergebnisse des Bands, stehen ihrer Verbrennungstat genauso hilflos gegenüber wie die meisten Zuschauer dem Inhalt des Films. Die Anwesenheit der beiden diente aber nicht der Rechtfertigung gegenüber dem Publikum, das zumeist aus ehemaligen Fans bestand, deren Plattenkäufe das vernichtete Vermögen geschaffen hatten. Vielmehr waren es Drummond/Cauty, welche von den Zuschauern Aufklärung verlangten, im Sinne der Fragen auf den Ankündigungsplakaten: War es ein Verbrechen? War es Wahnsinn? War es eine Investition? War es Rock’n’roll? War es eine Obszönität? War es Kunst? War es ein politisches Statement? War es Blödsinn?“

Nicht wenige Diskussionsteilnehmer bejahten die letzte Frage. Man griff Drummond/Cauty mit dem Argument an, dass sie kein Recht besaßen, das Geld auf diese Weise dem Wirtschaftskreislauf zu entziehen. Zumindest einer wohltätigen Organisation hätten sie es schenken sollen. Kurz: Eigentum verpflichtet. Die Frage, wem Geld also in letzter Instanz gehört – der Gesellschaft, dem Besitzer oder gar dem Geber? – beschäftigt Drummond/Cauty aber schon länger. Die beiden hatten schon bei einem Rave im Jahr 1989 ihren Lohn von tausend Pfund in das tanzende Publikum geworfen – auf jede der tausend Banknoten hatten sie zuvor per Hand „Children we love you““ geschrieben.

Unzweifelhaft ist Drummond/Cauty etwas gelungen, was postmoderne Kunsttheorien zu widerlegen scheint, erklärte ein Zuseher, nämlich der Vollzug eines künstlerischen Aktes, den noch nie jemand zuvor in dieser Radikalität ausgeführt hat. Nach englischem Recht ist es verboten, Geldscheine zu durchlöchern, zu beschmieren oder in sonst einer Weise zu beschädigen. Für Verbrennen von Geld ist jedoch keine Strafe vorgesehen. Ein Anthropologe wies darauf hin, dass man nur über den Horizont unserer Kultur hinausblicken muss, um auf vergleichbare Praktiken zu stoßen. So existiert in amerikanischen Stammesgesellschaften das Potlatsch, das auf dem Ausgleich sozialer Ungleichheit abzielt, indem es Aufstieg in der gesellschaftlichen Hierarchie von der bewussten Zerstörung oder Verschenkung des eigenen Besitzes abhängig macht.

Sogenannten primitiven Kulturen ist auch die magische Vorstellung, dass freiwillig vernichtetes Eigentum in einer anderen Form zurückkehrt, nicht fremd. Die Opferungstat von Drummond/Cauty wäre so gesehen ein magisches Experiment mit ungewissem Ausgang, das ein Vertrauen in die Existenz des Unmöglichen voraussetzt, wie man es sonst nur bei Schamanen oder anderen Zauberkundigen findet. Geld erwies sich dazu als das geeignetste Versuchsmittel, denn in keinem anderen Medium hat das Magische den Anbruch der Moderne konzentrierter überdauert. Wie bereits jedes Kind weiß, ist Geld das mächtigste aller Zaubermittel, denn mit ihm lässt sich jeder Traum erfüllen. Kein Wunder also, dass wir seinem Bann erlegen sind. Und wenn das goldene Kalb, um das wir alle tanzen, sich seiner materiellen Manifestation in naher Zukunft gänzlich entledigt hat, weil wir unseren Zahlungsverkehr dann auf rein elektronischem Wege abwickeln, wird sich dessen magische Qualität dadurch nur noch potenzieren.

Der Zorn, der Drummond/Cauty zumeist entgegenschlägt, gilt Häretikern, die es unerschrocken gewagt haben, den heiligsten Fetisch unserer Kultur zu entweihen. Manche Reaktionen waren differenzierter. Seine gesamte Weltsicht habe sich in der vergangenen Stunde geändert, sagte ein Zuschauer. Ein anderer erklärte, er habe anfangs erwartet, der Anblick verbrennenden Geldes würde ihn ärgerlich machen. Statt dessen sei ihm vom Betrachten des Films übel geworden, weil er erkannt habe, welch unheimliche Macht das Geld über ihn besitzt.

Die Verbrennung des Geldes mag also unzweifelhaft rituelle Züge tragen, nicht zuletzt solche christlicher Provenienz von der reinigenden und sühnenden Wirkung der Flammen. In letzter Konsequenz aber ist der Scheiterhaufen, den die K Foundation ihrem Millionenvermögen bereitet hat, ein gänzlich eigentümlicher Versuch, die Fackel der Aufklärung ins nächste Jahrtausend weiter zutragen.

Bevor es jedoch wieder Gelegenheit geben wird, mit der K Foundation über derartige Fragen zu diskutieren, wird man bis zum Jahr 2018 warten müssen, wenn das selbstauferlegte Diskussionsmoratorium ausläuft. Im Augenblick tragen Druinmond/Cauty sich mit dem Gedanken, das Ende dieses Jahrtausends mit der Errichtung einer Pyramide aus knapp 88 Millionen Ziegelsteinen zu würdigen einen für jeden Menschen, der während des 20. Jahrhunderts in Großbritannien gelebt hat.

Eion Colfer schreibt „Per Anhalter …“ weiter

Keine Panik – die Reise per Anhalter durch die Galaxis geht weiter

Weltweit wurde die Serie „Per Anhalter durch die Galaxis” über 20 Millionen Mal verkauft. Acht Jahre nach dem Tod des Autors Douglas Adams hat nun seine Witwe den Bestsellerautor Eoin Colfer („Artemis Fowl“) damit betraut, einen sechsten Band zu jener legendären Trilogie in 5 Teilen zu schreiben. Und das unendlich Unwahrscheinliche wird Wirklichkeit …

Arthur Dents zufällige Beziehung zum außergewöhnlichen Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ blieb nicht gänzlich ohne Zwischenfälle. Arthur hat den bekannten (und unbekannten) Weltraum bis in die letzten Winkel und darüber hinaus bereist, nachdem sein Haus (und der gesamte Planet Erde) an einem furchtbar dummen Donnerstag einer Hyperraum-Schnellstraße weichen musste. Nach diversen Eskapaden im Raum-Zeit-Kontinuum landet er schließlich zu Hause auf der geliebten Erde – die gleich darauf wieder in die Luft fliegt. Arthurs Aussichten auf eine gemütliche Tasse Tee sind nicht gerade rosig … In „Und übrigens noch was …“ bekommen wir es unter anderem mit arbeitslosen Göttern zu tun, abtrünnigen galaktischen Präsidenten, verliebten grünen Aliens, lästigen Computern und einer ziemlich großen Scheibe Käse.

Quelle: Heyne Verlag

Darauf gestoßen bin ich, weil mir Eion Colfer ein Begriff ist, seit ich auf der Fahrt nach und durch England mit meinem Sohn im Camper den kompletten „Artemis Fowl“ mir Begeisterung gehört habe.

Tilda Swintons "Ballerina Ballroom Cinema of Dreams"

Tilda Swinton im ZEIT-Interview vom 5.2.2009 über Ihr kleines schottisches Filmfestival „The Ballerina Ballroom Cinema of Dreams“: „Der Preis einer Eintrittskarte ist niedrig: ein selbst gebackenes Törtchen, das Tragen von roten Schuhen“. Auf der Website des Festivals schreibt sie: „The Edinburgh International Film Festival is the chicken, the Ballerina Ballroom Cinema of Dreams is the egg.“ Bei My Space gibt es eine Seite zum Festival.

Englische Geographie und Betonschiffe

fatmansqueeze – Ein Blog über England. Wir waren vom 18.-31. August in Südengland, Tintagel, Eden Project, 2 Tage am wunderschönen Strand von Woolacombe, in Stonehenge und in London. Mitten auf der Themse vor dem Britischen Parlament ankert ein Betonschiff (hier eine amerikanische Website zu Betonschiffen). Vielen Dank an Lutz Lehning für die Karten und vielen Tipps zu Süd-England.