Archiv der Kategorie: Bücher

Bücher aus denen ich hier zitiere, die mir Mut machen, bei meinen Bemühungen, das Leben zu genießen oder die mein Interesse weckten, sie zu lesen.

„Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto.“

James Simon Kunen „Erdbeermanifest. Dort das Zitat “Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto. Einfach fahren, bewegen, dahinrollen, weggleiten von einem Ort. Nicht so sehr irgendwohin, aber irgendwoweg, sich wegbewegen, schnell fahren, während man bestimmte Songs hört. Mit anderen Wagen auf der Straße sein und sich vorstellen, wer drinsitzt und wohin sie wollen. Parken ist das Gegenteil von alldem. Ich mag einen Wagen nicht parken.”

erdbeermanifestJames Simon Kunen, Erdbeermanifest, Notizen zur Columbia Revolte, März Verlag, Darmstadt 1969

 

Gesund bis der Arzt kommt + Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind)

2 Buchempfehlungen

Gesund bis der Arzt kommt: Ein Handbuch zur Selbstverteidigung“ heisst ein Buch von Bert Ehgartner. Auf der Verlagswebsite steht der kämpferische Klappentext:

„Durchschauen Sie die Gesetzmäßigkeiten des Gesundheitswesens und erkennen Sie die Eigeninteressen der Pharmaindustrie und Medizingeräte-Hersteller, der Ärzte und der Krankenhäuser. Finden Sie heraus, was tatsächlich sinnvoll für Sie und Ihre Gesundheit ist!“

Kurzbeschreibung (Quelle: Amazon)

„Die medizinische Forschung hat so viele Fortschritte gemacht, dass es überhaupt keine gesunden Menschen mehr gibt.“Aldous HuxleyWas ist für das Gesundheitssystem noch lukrativer als ein Kranker? Richtig: ein Gesunder, der krank werden könnte. Das Zauberwort Prävention nämlich rechtfertigt unzählige und vor allem unsinnige Behandlungen und vermag die Anzahl der Patienten ins Unendliche zu steigern. Dabei sind die meisten der breit angewandten Therapien nicht nur nutzlos, sondern sogar schädlich. Und auch vor echten  Kranken macht der Renditezwang nicht halt: Er führt zu falschen Diagnosen, zu falschen Medikamenten und zu bösem Pfusch.Durchschauen Sie die Gesetzmäßigkeiten des Gesundheitswesens und erkennen Sie die Eigeninteressen der Pharmaindustrie und Medizingeräte-Hersteller, der Ärzte und der Krankenhäuser. Finden Sie heraus, was tatsächlich sinnvoll für Sie und Ihre Gesundheit ist!

Klappentext (Quelle: Amazon)

Unser Gesundheitssystem gibt sich schon lange nicht mehr nur mit der Heilung von Kranken zufrieden: Zahnprophylaxe, Tumorfrüherkennung, Impfungen, Kontrolluntersuchungen – die Krake der Prävention hat sich zu einer äußerst lukrativen Einnahmequelle entwickelt. Die Vermessung des menschlichen Körpers hat sich im Zuge dessen grundlegend geändert. Grenzwerte für Blutzucker oder Cholesterinspiegel werden gesenkt, um die Zahl angeblich gefährdeter Patienten in die Höhe zu schrauben. Immer genauere technische Geräte stellen minimale Veränderungen im Körper fest, die oft unnötigerweise als behandlungswürdig eingestuft werden. An konkreten Beispielen zeigt Bert Ehgartner nicht nur die gewinnorientierten Verstrickungen der Beteiligten, sondern bietet auch verblüffend positive Erkenntnisse – zum Beispiel wie wertvoll der Placebo-Effekt ist und wie Zuwendung und Zeit Medikamente ersetzen können. Wann wir tatsächlich Hilfe benötigen und was wir bei unserer Hilfesuche beachten sollten, erfahren Sie in diesem Buch.

Klingt interessant. Hier der Weblog des Autoren Bert Ehgartner.

Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind) von Marc Fischer

Beschreibung (Quelle: buecher.de)

Vater, Mutter- wer seid ihr eigentlich‘ Wir wissen wenig von unseren Eltern– vor allem nicht, wer sie sind, wenn sie nicht unsere Eltern sind. Kein Wunder: Wir haben sie nie gefragt. Wen liebtest du vor Mutter, Vater, und warum eigentlich‘ Hast du mal mit einer Frau geschlafen, Mutter‘ Wird die Welt größer oder kleiner mit den Jahren‘ Habt ihr je einen Fluchtplan aus eurer Existenz geschmiedet‘ Habt ihr eher zu viel zusammen ferngesehen oder zu wenig‘ Marc Fischer hat ein Buch geschrieben, das ausschließlich Fragen enthält und dabei eine Geschichte erzählt: die Geschichte unserer Eltern im Konjunktiv. Und eine Geschichte unserer Versäumnisse. Sie berühren etwas Verborgenes, diese Fragen, aber sie sind auch ein Spiegel, in den wir blicken, weil wir sie nie gestellt haben. Entschuldigung, aber sagt ihr „ficken“, „miteinander schlafen“ oder „Liebe machen“, wenn ihr miteinander ins Bett geht‘ Habt ihr mal mit der RAF sympathisiert‘ Wie oft denkt ihr darüber nach, was passiert, wenn der andere stirbt‘ Wir sollten sie fragen– solange sie noch da sind.

Klingt auch interessant.

Kaufen Sie Ihre Bücher bei Ihrem örtlichen Buchhändler, der keiner Buchhandelskette angehört (wenn es das bei Ihnen noch gibt): Think global – buy local.

14 Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte in 2000 Zeichnungen: Wie hat alles angefangen und wie wird alles enden?

Bei Spiegel-Online die Besprechung eines grandiosen Comic-Projekts vom Berliner Comicautor Jens Harder gefunden: „Alpha Directions“.

Titelbild „Alpha Directions“ vom Berliner Comicautor Jens Harder

14 Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte in 2000 Zeichnungen: In seinem Mammutwerk „Alpha…directions“ erzählt der Berliner Comicautor Jens Harder von der Entstehung des Universums – und schafft dabei so verspielte wie wagemutige Motive.

Als ich etwa fünf Jahre alt war, machte man mir zwei Angebote zum ersten Verständnis der Welt. Das eine drückte man mir nach dem Kindergottesdienst als Belohnung für das Ausharren in die Hand: kleine, holzschnittartige Sammelcomics im Querformat, die biblische Geschichten erzählten. Bilder sollten uns verdeutlichen, was wir erzählt nicht verstanden.

Sternenstaub

Jens Harder weiß, was ich meine. Der Berliner Comicautor hat in seiner Kindheit ähnliche Dinge erlebt: Die oben angerissene Geschichte ist dieselbe, die sein aktuelles Comic erzählt. Im Anhang seines Buches „Alpha…directions“, in dieser Woche bei Carlsen in deutscher Erstausgabe erschienen, finden sich Skizzen, die er als Kind gemacht hat: Dinosaurier, natürlich.

Sie weckten bei ihm das Interesse an den Anfängen des Lebens. Harder lernte, und sein wachsendes Wissen um die Erklärungsansätze, die wir bisher gefunden haben, verdichteten sich für ihn zu einer kongruenten Geschichte.

Genau das ist der Witz an einer grundlegenden naturgeschichtlichen Bildung: Man sieht die Dinge nicht mehr isoliert, man deutet sie sich in ihren Zusammenhängen. Das Universum hat einen Beginn und wird wohl auch ein Ende haben. Es hat eine Geschichte, von der wir wissen, es hat räumliche und zeitliche Dimensionen. Die Dinge, wie sie jetzt sind, fußen auf dem, was einmal war. Wir alle, sagte Carl Sagan einst, sind aus Sternenstaub gemacht. Immer weniger Menschen sind sich jedoch darüber im Klaren, dass man diesen Ausspruch wörtlich nehmen sollte. Das ist ein erhebender Gedanke!

Mantra über das Wunder einer Schöpfung

Womit die Frage nach dem Motiv schon beantwortet wäre. Hier ist sie trotzdem: Warum setzt sich da einer hin und malt rund 2000 kleine, holzschnittartige Bilder, in denen er das vorherrschende wissenschaftliche Erklärungsmodell der Entstehung des Universums, der Erde, des Lebens und der Evolution abbildet?

Im Nachwort gibt Harder selbst die Antwort: weil das wissenschaftliche Bild der Welt gefährdet ist. Weil ein Wissen von der Welt dem irrationalen Wahn aber die Grundlage nimmt. Eine Kultur, die das Verständnis für die Zusammenhänge verliert, greift zurück auf zu einfache Erklärungen. Die Schwäche des wissenschaftlichen Lagers aber ist, dass es keine Angebote mehr macht, keine Bilder bietet, an denen man seine Gewissheiten ankern könnte.

Harder wollte mit „Alpha“ etwas schaffen, „ähnlich einer Bilderbibel, wie sie früher für Analphabeten herausgegeben wurde“. Denn nach wie vor komme uns die Geschichte der Entstehung des Lebens doch wie ein Wunder vor, schreibt er.

Unterhaltung und Bildung

Harder versteht den Comic als Bildreigen, der hier und da sparsam von kurzen Texten gestützt wird. Er bewegt sich dabei durch rund 14 Milliarden Jahre Universumsgeschichte, ohne wirklich den Versuch zu machen, diese zu erklären – er zitiert nur aus den Schätzen der Erkenntnis. Man kann den Fluss seiner Bilder lesen wie ein Mantra über das Wunder einer Schöpfung, die mühelos ohne Schöpfer auskommt.

Insofern ist dieses Comic ähnlich wie die Bibelgeschichten meiner Kindheit: Es sind Visualisierungen zumindest halb gekannter Vorgänge, sonst lässt sich damit wenig anfangen.

Das alles ist äußerst ambitioniert, eine opulente Feier der menschlichen Erkenntnis- und Erklärungsfähigkeit. Harders Bilder sind Anker, an denen man seine Gewissheiten festmachen kann, sie visualisieren die ungebrochene Kontinuität unserer Welterklärungen. Was dabei als Produkt herauskommt, sprengt Raster: Es ist nicht Unterhaltung, weil es zu sehr Bildung ist, es ist nicht Bildung, weil es zu sehr Kunst ist – und so weiter.

„Im Grunde genommen“, zitiert Harder Stephen Hawking, „bewegen nur zwei Fragen die Menschheit: Wie hat alles angefangen und wie wird alles enden?“

Quelle: Spiegel-Online

Website von Jens Harder

Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel

Eine Anzeige in der Zeitschrift „medien + erziehung“ führt mich zu „TUMULT – Schriften zur Verkehrswissenschaft“ mit dem aktuellen Titelthema „Baudrillard fassen“.

TUMULT wird herausgegeben von Hanns Zischler in seinem Alpheus-Verlag, erscheint jährlich und behandelt interessante Themen: „Der hinreiszende Klang des Amerikanischen“ oder „Gesichtermoden“. Oder jetzt eben Baudrillard. Erst vorletzte Woche hatten wir „Cool Memories“ wieder aus dem Regal geholt und darin gestöbert. Und TUMULT scheint mir so stöberfähig zu sein, wie der MAMMUT aus dem März-Verlag, den ich seit einigen Wochen wieder durchstreife und auch so gehaltvoll wie die „Scheidewege – Jahresschrift für skeptisches Denken„, deren Jahrgang 1998/99 ich kürzlich wieder aus dem Regal genommen habe, weil ich Jürgen Dahl und Christian Schütze („Frieden durch Faulheit„) wieder lesen wollte. Hier der Klappentext zu TUMULT 34, wie ihn Amazon zitiert:

Die Wolken verderben uns in Europa den Himmel.Verglichen mit den endlosen Himmeln Nordamerikas und ihren Wolkenballungen sind unsere kleinen Schäfchenhimmel und Schäfchenwölkchen Abbilder unserer Schäfchengedanken, unserer niemals raumgreifenden Gedanken“ (Amerika, 28). / Baudrillard unter anderen Himmeln sehen: in China, Brasilien, USA mit anders raumgreifenden Gedanken, und aus einem Außerhalb seiner Lebenszeit. Aber auch: Baudrillard »am Himmel des Unaktuellen« (Cool Memories I, 99) in Europa sehen, wo er sich als die von ihm erträumte »radikale Objektivität« abzuzeichnen beginnt, die sich nicht mehr der wissenschaftlichen Erfassung erschließt, dafür den Blick auf die »Ironie des Weltprozesses« öffnet ein zu großer Versuch? // Von feinsinnigen Kennern der Verkehrswissenschaften, der Philosophie, der Künste und des Genusses seit Jahrzehnten verehrt und bewundert, war TUMULT auf eine wechselvolle Reise durch die Hände zahlreicher Verlage gegangen und dabei vor den Augen seiner Liebhaber immer wieder verschwunden, wie ein märchenhaftes Gerücht. / Seit 2006 erscheint TUMULT regelmäßig im Alpheus Verlag des Berliner Schauspielers, Schriftstellers und Gelehrenfreundes Hanns Zischler. / Alle Ausgaben sind reich illustriert und von herausragenden Grafikern individuell gestaltet. Die trotz modernster Technik teils kunsthandwerkliche Fertigung verleiht den Heften zudem eine einzigartige Anmutung.

Ich bestelle mir das aktuelle Heft per E-Mail bei meiner Buchhändlerin („think global – buy local“) und freu mich auf die Anregungen (nächste Woche und in zehn Jahren).

Gut gefällt mir auch die entspannte Haltung des Alpheus-Verlags, zwar Anzeigen für das neue Heft zu schalten und es bei Amazon zum Vertrieb einzustellen, aber den neuen Titel, der 2009 erschienen ist mit keinem Wort oder Bild auf der Verlagswebsite zu erwähnen. Und ich meine das nicht ironisch.

Mammut von Jörg Schröder bei März

Was für ein Buch, was für eine Fundgrube: Mammut -März Texte 1&2 1969-1984, Herbstein im März 1984, herausgegeben von Jörg Schröder, 1274 Seiten mit vielen Abbildungen.
https://i0.wp.com/blogs.taz.de/schroederkalender/files/2009/08/schroder-mammut.jpg
Wer gerne liest und gerne in Büchern STÖBERT (da fällt mir meine Theorie ein, dass viele Verben für relaxte, der Entspannung dienende oder Entspannung voraussetzende Handlungen ein „ö“ enthalten: mögen, stöbern, trödeln, vögeln, nörgeln, rödeln …, das muss ich mal weiter verfolgen) dem sei dieses sehr dicke, schöne Buch empfohlen. Ich besitze mein MAMMUT-Exemplar schon Jahre lang und einige Seiten sind ganz zerlesen („Taubnesseln“ von E. Sinzig oder „The Glühbirnen-Fake“ von Helke Schwan), jetzt habe ich es wieder entdeckt und andauernd will ich Links setzen oder daraus zitieren hier. Werde mal bei Jörg Schröder anfragen, ob das in Ordnung wäre. Bei ZVAB gibt´s zur Zeit 47 Ergebnisse für die Suche nach „Mammut März Schröder“, hier einige Zitate aus Buchbeschreibungen dort:
Erste Auflage dieser spannenden Anthologie. Sie „enthält 146 provokante, schöne, dumme, überraschende, freundliche, tiefsinnige, gute und böse Texte, Gedichte, Essays, Stücke, Collagen, Briefe (…)“ (Klappentext). Zu den Autoren gehören unter vielen anderen: Brinkmann, Burroughs, Ensslin, Nina Hagen, Jandl, Kerouac, Nitsch, U. Sinclair, Warhol. Umschlag leicht berieben, sonst sehr gutes Exemplar. [Schlagwörter: Erotika, Erotica, Curiosa, Sexualität, Sexuality, Sexualite; Erotische Literatur, Erotic Literature, Litterature erotique, März Verlag]
… mit Beiträgen von Bazon Brock, Plymell, M. Beach, Neal Cassady, Padgett, Chothewitz, Seuren, Ballard, Rolf Dieter Brinkmann, Apollinaire, Jack Kerouac, Neal Cassaday, Ulf Miehe, LeRoi Jones, William S. Burroughs, Frank O’Hara, Hermann Nitsch, Thorwald Proll, Berrigan, Souchy, O’Hara, Havemann, Fiedler, H. Mathews, Nina Hagen, Andy Warhol, Uve Schmidt, Upton Sinclair, Darwin, T. Wolfe, Ernst Jandl, Helmut Höge, Kenneth Patchen. Hubert Burda, Nicolas Born, Gudrun Ensslin, Bernward Vesper, Josef Dvorak, Otto Groß. Paul Goodman u.a.

Was Acid für die späten 60er Jahre war, ist MAMMUT für die mittleren 80er. Ein klinkersteindickes Buch!

Und auch die vielen Illustrationen und Photos sind es wert, dieses Buch zu besitzen, zum Beispiel eine Bildserie „Hommage a Mlle. Brigitte Bardot“ aus einer Fotosammlung, gefunden bei einem Trödler in Fulda.
https://i1.wp.com/blogs.taz.de/wp-inst/wp-content/blogs.dir/14/files/2008/01/bardot.jpg
Bei Wikipedia gibt es einen umfangreichen Artikel über Jörg Schröder, dort auch diese Beschreibung:

Einige März-Bücher wurden Kultbücher, Karl Heinz Bohrer stellte März 1972 als „den kulturrevolutionären Verlag“ der BRD heraus[2]. Jörg Schröder trat auch mit zahlreichen Aktionen hervor, welche das geschäftliche an und in der Kultur hervorkehrten (Business Art) oder die Praxis der Judikatur ad absurdum führten (Forensic Art). Am bekanntesten im Kontext dieses »erweiterten Verlegertums« [3] wurde die Bismarc Media. Im Jahr 1970 gründete Jörg Schröder diese Agentur in Genf als S.A. und in Frankfurt a.M. als GmbH. Die kryptische Agentur sollte weder anschlussfähige Konzepte entwickeln, noch Kundenaufträge ausführen. Einziger Sinn war die Einführung einer induktiven Krise, die den Bann des reinen Profitdenkens brechen sollte[4].

Ein anderes Beispiel für Business-Art ist der zusammen mit Barbara Kalender entworfene Bücherberg auf der Frankfurter Buchmesse. Spektakulär, aber ein Fehlschlag war der März-Rettungsdienst von Barbara Kalender mit dem Clou eines Schuhe putzenden Verlegers auf der Buchmesse: »En Francfort todo gira en torno a los libros, hasta limpiarse los zapatos« (El Pais, Madrid, 9. Oktober 1986) Der Aufmerksamkeitswert dieser Aktion war erfreulich, jedoch konnte sie den Verlag nicht sanieren, März musste 1987 liquidiert werden.

Im Zusammenhang von Business- und Forensic Art ist auch das letzte Literaturprojekt der Beiden zu sehen. 1990 entwickelten sie ein radikal neues und bisher einmalig gebliebenes Verlagsvertriebskonzept, mit einer am Desktop produzierten Reihe, Schröder erzählt. 1990 erscheint eine erste Folge Glückspilze im neu gegründeten März Desktop Verlag (Inh. Barbara Kalender). Die erste Lieferung wurde in Fuchstal hergestellt, wohin sie 1988 aus Herbstein gezogen waren. Nach einem weiteren Umzug und längeren Aufenthalt in Augsburg, leben die Beiden seit 2005 in Berlin. Seit 2002 ist Jörg Schröder Mitglied des P.E.N.-Zentrums Deutschland.

Seit 1990 veröffentlichen Barbara Kalender und Jörg Schröder viermal im Jahr ”Schröder erzählt”. Hier bloggen sie was zwischendurch so auf- und anfällt.

Ishmael Beah: Rückkehr ins Leben – Ich war Kindersoldat

… heisst ein Buch, dass ich mir vor langer Zeit nach einem Zeitungsartikel gekauft und jetzt erst gelesen habe. Ich war gefesselt und berührt. Im Internet sind Interviews und Vorträge mit Ishmael Beah zu finden, die die Echtheit seiner brutalen Erlebnisse unterstreichen.

"My heart's son": Laura Simms took Ishmael Beah under her  wing, helping him immigrate to the USA.

"My heart's son": Laura Simms took Ishmael Beah under her wing, helping him immigrate to the USA.

Quelle des Bildes: War-torn childhood ‚A Long Way Gone,‘ but not forgotten, Artikel vom 14.2.2007 auf USA Today

Rezensionsnotiz zur Rezension Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2008, Quelle: Perlentaucher

Berührt zeigt sich Karen Krüger von der Geschichte des ehemaligen Kindersoldaten Ishmael Beah, die nun auf Deutsch vorliegt. Sie kennt kein anderes „vergleichbar authentisches Dokument“ über Kindersoldaten in Liberia und Sierra Leona. Ausführlich berichtet sie über die Zerstörung von Beahs Dorf, seine Flucht durch den Dschungel, die Rekrutierung als Kindersoldat mit zwölf Jahren, wie er lernte, mit der Waffe umzugehen, Menschen zu foltern und zu töten. Beahs Schilderungen sind ihr sichtlich nahe gegangen, obwohl oder gerade weil sie überaus nüchtern und distanziert sind. „Töten war so leicht geworden wie Wassertrinken“, zitiert sie den Autor, der das Glück hatte, durch Hilfe der Unicef nach drei Jahren als Kindersoldat in ein Rehabilitationscamp für ehemalige Kindersoldaten zu kommen. Fast wie ein Roman erscheinen ihr die Eckdaten seiner weiteren Biografie: er wurde von einer Amerikanerin adoptiert, studierte Politik, arbeitet heute für Human Rights Watch und wurde im November zum ersten Unicef-Anwalt für vom Krieg betroffene Kinder ernannt.

Ein Interview mit Ishmael im amerikanischen Fernsehen:

Hier das Video eines Vortrages von Ishamel Beah:

Memoirs of a Boy Soldier. Ein langes Gespräch mit Lesung von Ishmael Beah. 1 Stunde, 15 Minuten, mit der Möglichkeit Sequenzen einzeln anzusehen. Klicken Sie hier (das Einbetten klappt nicht).

<object classid=“clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000″ codebase=“http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=9,0,0,0&#8243; width=“400″ height=“264″ ><param name=“flashvars“ value=“webhost=fora.tv&clipid=639&cliptype=clip“ /><param name=“allowScriptAccess“ value=“always“  /><param name=“allowFullScreen“ value=“true“ /><param name=“movie“ value=“http://fora.tv/embedded_player&#8220; /><embed flashvars=“webhost=fora.tv&clipid=639&cliptype=clip“ src=“http://fora.tv/embedded_player&#8220; width=“400″ height=“264″ allowScriptAccess=“always“ allowFullScreen=“true“ type=“application/x-shockwave-flash“ pluginspage=“http://www.macromedia.com/go/getflashplayer“></embed></object&gt;

Fotobuch “Stadtalphabet Wien”

Für Lutz:
Stadtalphabet
Urbane Schriftsammlung

Bücher erzählen Geschichten. Wie auch Städte Geschichten erzählen. Geschichten von früher, Geschichten von heute. Das Fotobuch “Stadtalphabet Wien” erzählt eine Geschichte der Schrift und der Wiens. Martin Ulrich Kehrer hat in seinem Buch typografische Schmankerl von Fassadenbeschriftungen und Aushängeschildern im urbanen Raum sorgfältig zusammengetragen. Das Buch zeigt ein typografisches Stadtbild fernab der uniformen Corporate Designs global agierender Unternehmen.
Stadtalphabet Wien
Martin Ulrich Kehrer
SONDERZAHL Verlag
144 Seiten, Fadenheftung, € 18,-

Stadtalphabet Wien

Eintrag vom 12 Mai, 2009 im Weblog Kunstdirektion Wien – Design | Kunst | Architektur